Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Ausstellung der Projektklasse von Peter Fischer-Piel am Photocentrum der Gilberto Bosques VHS Friedrichshain-Kreuzberg

Arbeiten von: Christine Ambrus, Alice Below, Doris Bulach, Michael Eun, Peter Fischer-Piel, Julia Förster, Gerald Leitner, Ute Nüchterlein, Heike Reichenstein, Uwe Schumacher

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins beinhaltet ein Paradoxon: das vermeintlich Leichte des Lebens ist im Grunde schwer, so schwer sogar, dass das Leben eigentlich nicht ertragbar ist. Nimmt man diesen Gedanken ernst, so scheinen Fotografien nicht in der Lage zu sein, dieses Paradoxon aufzulösen. Denn ein Foto zeigt immer nur einen eindeutigen Zustand, der in die Richtung des Leichten oder den der Schwere weist. Jedes Foto eines lachenden oder in einer feinen Umgebung stehenden Menschen erscheint leicht – man denke nur an die unzähligen Selfies. Umgekehrt empfinden wir bei jedem traurigen oder skeptischen Gesicht, bei jeder düsteren und zerstörten Straßenszene eine undefinierbare Furcht, zumindest aber ruft ein solches Foto immer eine negative Assoziation hervor. Aber was und wie genau die Wirkung einer Fotografie ist, das entzieht sich einer allgemeinen Definition.

Ist jenes Lachen auch wirklich echt, kann ich dem Selfie vertrauen? Ist jener skeptische Blick nur aufgesetzt, um diese düstere Bildwirkung zu erzeugen? Oder wird jener dunkle Ort nur gezeigt, um von vornherein Furcht einzuflößen oder Angst einzujagen? – Ja, es kann sein, aber genau so gut kann es auch nicht sein. Die „Family of Man“ war noch der Überzeugung, ein Lachen auf einem Foto verbinde die ganze Welt, weil jeder es überall versteht. Heute sind wir von einer solch allgemein gültigen Bildbetrachtung genauso weit entfernt wie von einer universellen Deutung der Suche Milan Kunderas nach der unerträglichen Leichtigkeit des Seins.

Niemand aus dem Kurs hat sich Milan Kundera strikt zu eigen gemacht und versucht, seine vielfältigen und tiefgründigen Gedanken in Bilder umzuwandeln, wo er doch selbst nur von „Proben“ spricht. Aber seine oftmals historisch relevanten Aussagen über bestimmte Phänomene, die Art, wie er seine Hauptprotagonisten innerhalb dieses politischen und gesellschaftlichen Systems handeln lässt und sein tiefer Wunsch nach einem umfassenden, „richtigen“ Lebensentwurf sind Ansätze, die zum Teil aufgegriffen wurden und die die TeilnehmerInnen versucht haben, in Bilder zu übersetzen. –

Ausstellung vom 30. Juni bis 29. Juli 2018
alte feuerwache ▶ projektraum
Marchlewskistraße 6, 10243 Berlin, U5 Weberwiese
Vernissage: 29. Juni 2018, 19.00 Uhr
Öffnungszeiten: Di – Do 11.00 – 19.00 Uhr, Fr – So 12.00 – 20.00 Uhr
Künstlergespräch (in deutscher Sprache): Freitag, 13. Juli 2018, 18.00 Uhr

Kontakt und Informationen:
Photocentrum der VHS Friedrichshain-Kreuzberg:
Peter Lattermann, peter.lattermann@ba-fk.berlin.de

Künstlerische Leitung:
Peter Fischer-Piel

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